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82Grundbildung und Schulabschl%u00fcsseMit den Augen der Sch%u00fcler*innenHatten die Lehrer*innen in der letzten Ausgabe unseres Programmheftes das Wort, so sind es diesmal zwei Sch%u00fclerinnen, die den Zweiten Bildungsweg (ZBW) an der VHS Neuss aus ihrer Sicht schildern. Um ihre Anonymit%u00e4t zu wahren, hat die Redaktion die Namen ge%u00e4ndert.VHS: Warum holen Sie an der VHS Neuss Ihren Abschluss nach?Lara: Ich habe mich f%u00fcr die VHS entschieden, da ein herk%u00f6mmliches Schulsystem nicht in mein Leben passte.%u00a0Erfahren von dieser M%u00f6glichkeit habe ich durch meinen Cousin, welcher hier vor einigen Jahren ebenfalls erfolgreich seinen Schulabschluss nachgeholt hat.%u00a0Helen: Der Zweite Bildungsweg und die Abendschule passen im Moment gut zu mir, daher habe ich mich f%u00fcr die VHS entschieden. Freunde von mir haben hier ihren Abschluss nachgeholt, die haben mir den Tipp gegeben. Eigentlich bin ich in D%u00fcsseldorf aufgewachsen, dann nach Neuss gezogen, und jetzt bin ich hier. VHS: Warum haben Sie Ihren Abschluss nicht an der Regelschule gemacht? Lara: Auf dem st%u00e4dtischen Gymnasium in Neuss kam ich leider nie wirklich zurecht. Ich erfuhr schon immer Mobbing in der Schule und kam mit den meisten Lehrer*innen nicht klar, was mich immer h%u00f6here und vor allem l%u00e4ngere Fehlzeiten am St%u00fcck aufbauen lie%u00df. Psychische Erkrankungen und famili%u00e4re Probleme kamen dazu. Somit hatte ich das Gymnasium nach der neunten Klasse zwar mit einem Abgangszeugnis, doch ohne Schulabschluss verlassen.Helen: Ich habe keine negativen Schulerfahrungen gemacht. Meine Noten waren ganz gut, die Lehrer o.k., kein Mobbing. Die Probleme waren eher privat, erst betreutes Wohnen in der Diakonie, danach war ich von 13 bis 15 in Portugal in einem deutsch-englisch-holl%u00e4ndischen Projekt. Als ich dort war, kam mir das wie ein Boot-Camp vor. Im R%u00fcckblick w%u00fcrde ich sagen: Es war positiv. Lustigerweise habe ich in Portugal kein Portugiesisch, aber gut Englisch gelernt. VHS: Was ist Ihr Ziel %u2013 wof%u00fcr m%u00f6chten Sie den Mittleren Schulabschluss (MSA) erreichen?Lara: Dank des Angebots an der VHS, abends den Schulabschluss nachzuholen, kam ich wieder in einen strukturierteren Alltag und konnte sowohl meinen ESA mit wenig Fehlzeiten erfolgreich abschlie%u00dfen als auch den MSA anfangen, was vor ein paar Jahren undenkbar gewesen w%u00e4re. Welchen Beruf ich nach der VHS aus%u00fcben m%u00f6chte, wei%u00df ich noch nicht genau. Irgendetwas wird sich ergeben, so wie sich die VHS f%u00fcr mich ergeben hat.Helen: Ich m%u00f6chte jetzt erst einmal den Abschluss MSA erreichen. Nach dem ESA, den ich auch hier an der VHS geschafft habe, dachte ich: Wenn schon, dann auch richtig, es l%u00e4uft, warum nicht den n%u00e4chst h%u00f6heren Abschluss durchziehen. Am liebsten gemeinsam mit meiner Freundin Lara. Au%u00dferdem schaffe ich mir auf diese Weise Zeit, um Klarheit zu bekommen, wo die Reise dann berufl ich hingeht. VHS: Wie war Ihr erster Eindruck von der VHS? Von der Klasse, Ihren Lehrer*innen?Lara: Ich hatte viel Angst vor der neuen Schule, den Lehrer*innen und Mitsch%u00fcler*innen und davor, dass meine Erfahrungen die gleichen sein w%u00fcrden. Beim Betreten der VHS war ich positiv %u00fcberrascht. Ein modernes Geb%u00e4ude mit sch%u00f6ner Atmosph%u00e4re, wenig %u00c4hnlichkeit mit Regelschulen. Auch das Beratungsgespr%u00e4ch war anders als gedacht, sehr locker und mit guter Laune, was mich optimistisch werden lie%u00df. Der erste Kurstag war f%u00fcr mich zwar aufgrund der vielen neuen Leute anstrengend, doch auch wirklich sch%u00f6n.Helen: Da f%u00fcr mich die Schule auch fr%u00fcher gut war, konnte ich es kaum erwarten, dass es mit dieser neuen Schule weitergeht. Das Thema Abendschule war f%u00fcr mich wichtig. Und als es endlich losging, hatte ich von Anfang an ein sehr positives Gef%u00fchl f%u00fcr die Klasse. Volker Woschnik FachbereichsleiterVHS-Magazin_Neuss_26_2_Quartal_260623.indd 82 23.06.26 15:32

